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Die Giganten kommen...

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Perth, Australien – 14.02.2015

Wer kommt? Was ist los? Na die Giants. Die Riesen kommen. Ah ja, alles klar. Bis wir endlich schnallten, was wirklich bald in Perth stattfinden würde, war es schon fast wieder vorbei. Doch eigentlich war das fast unmöglich. Denn erstens waren alle, und ich meine wirklich alle!, Zeitungen voll und zweitens sprach jeder, wirklich jeder!, davon. Und wenn ich es noch nicht deutlich genug gemacht habe, dann noch einmal: Es war überall. Das Ereignis Perths.


Doch um ehrlich zu sein, wir hatten es bis zum Samstag immer noch nicht noch so ganz verstanden. Es sollten wohl ein paar große Puppen durch Perth laufen. Also dachten wir, ja, warum eigentlich nicht. Schauen wir doch einfach mal vorbei. Dank eines Geistesblitzes fuhren wir zur nächsten Bahnstation und wollten mit dem Zug in die City düsen. Ist einfacher so, dachten wir. Und dort der erste Schock. Jeder einzelne Parkplatz war besetzt. Jeder. Und wir sprechen hier von einem riesen Terrain, das im Normalfall gerade einmal zu einem Fünftel besetzt ist. Okay. Wir bekamen eine erste Ahnung davon, was sich wohl in der Stadt abspielen könnte. Das Glück war auf unserer Seite und direkt vor unserer Nase parkte jemand aus. Perfekt. Nichts wie rein da und dann ging´s los. Am Bahnhof in Perth der nächste Schock. Menschenmassen. Und ich spreche tatsächlich von Massen. Der gesamte Bahnhof war voll. Mit Drücken und Drängeln schafften wir es auf die Straße. Nächster Schock. Ach du schei.. Es war gefühlt jeder einzelne Bewohner Perths und Umgebung auf der Straße. Jeder! Ach, was rede ich. Die kamen aus dem gesamten Land. Hier waren Menschen aus Queensland, dem Northern Territory, South Australia, Victoria und New South Wales. Der Wahnsinn. Ich habe ungelogen bis zu diesem Tag noch nie solche Menschenmassen gesehen. Ihr denkt, ich übertreibe. Doch ich habe Beweise! Insgesamt besuchten an diesem Wochenende 1,4 Millionen Menschen das grandiose Spektakel. 1,4 Millionen! Zum Vergleich: In Westaustralien leben derzeit 2 Millionen Menschen, davon ca. 1,5 Millionen im Großraum Perth. Das bedeutet, im Prinzip war ganz Perth auf den Beinen. Jeder einzelne Bewohner! Okay, ich denke, ich habe das jetzt deutlich gemacht...


Jedenfalls knetschten wir uns Zentimeter für Zentimeter weiter durch die Massen bis wir endlich einen annehmbaren Platz gefunden hatten. Und da standen wir nun. An einer Ecke. In der prallen Sonne. Und warteten. Ich erinnere: Wir hatten immer noch nicht so wirklich eine genaue Ahnung was uns erwarten sollte. Doch dann kam plötzlich Leben in die Menge. Über Lautsprecher hörte man Musik und einen Sprecher. Köpfe wurden gereckt. Es wurde gemurmelt und gedrängelt. Die Atmosphäre war unbeschreiblich. Die Spannung wurde immer deutlicher. Als kribbelte es überall. Man stellte sich auf Zehenspitzen, schaute durch zahlreiche Köpfe hindurch und tibbelte von Fuß zu Fuß. Die Musik kam näher. Plötzlich erspäte man in der Glasfassade des gegenüberliegenden Gebäudes die ersten Umrisse. Oh mein Gott. Das Ding war tatsächlich riesig. Staunen ging durch die Menge. Die ersten konnten etwas erkennen. Und dann sahen auch wir plötzlich eine Hand. Dann einen Fuß. Und dann das Gesicht. Uns stockte der Atem. Es war tatsächlich ein Riese. Eine Marionette. Elf Meter groß. Und das in dieser winzigen Innenstadt mit ihren kleinen Straßen, in der Gebäude an Gebäude gereiht war. Der Riese bewegte sich langsam, aber unendlich geschmeidig durch die Stadt. Mehr als 40 Puppenspieler bewegten den Riesentauchen mit Hilfe von Seilen und Drehmechanismen. Sie sprangen von Plattformen, hangen an Drahtseilen und bewegten riesige Apparate. Der Wahnsinn. Wir waren völlig begeistert. 

Der eigentliche Plan wurde umgeworfen. Eigentlich hatten wir nur mal kurz vorbeischauen wollen, doch wir verbrachten am Ende den gesamten Tag damit den beiden Riesen durch die Stadt zu folgen. Das kleine Riesenmädchen, das nur sechs Meter groß war, enttäuschte aber keineswegs. Dieses Gesicht. Die Augen, der Mund, die Nase. Alles sah so echt aus. Es war eine Meisterleistung. Besonders als die Beiden sich am Abend in einem riesen Park am Fluss trafen, sich in die Arme nahmen, tanzten und das Mädchen am Ende auf dem Schoß des Tauchers Platz nahm, war beeindruckend. Wie kleine Kinder standen wir da mit offenen Mündern und staunten.  


„Die unglaubliche und phänomenale Reise der Riesen durch die Straßen von Perth“ war ein voller Erfolg. Da sind sich alle einig. Im Nachhinein erfuhren wir, dass Frankreichs Straßentheater-Kompanie Royal de Luxe extra für Westaustralien diese ganz besondere Performance entwickelt hatte. Eine Geschichte, die zu Ehren der hundertsten Jährung des ANZAC Days (Jahrestag der ersten Militäraktion australischer und neuseeländischer Truppen im Ersten Weltkrieg – der Landung auf Gallipoli) von Wiedervereinigung und Gemeinschaft erzählt. Die beiden Riesen erzählten die wahre Geschichte des kleinen Mädchens vom Leuchtturm in Albany, dass für die Truppen, die 1914 am Ersten Weltkrieg teilnahmen und von Albany aus nach Gallipoli aufbrachen, eine wichtige Rolle spielte. Denn sie war diejenige, die der auslaufenden Flotte Morsezeichen gab und so für viele der jungen Soldaten der letzte menschliche Kontakt auf australischem Boden war. Wochen später trafen bei ihr die ersten Postkarten aus dem Nahen Osten ein, die an „Das kleine Mädchen von Breaksea Island“ adressiert waren und von Männern stammten, die sich an diese letzte Erinnerung an die Heimat klammerten.

Ihr seht, wir hatten einen ereignisreichen Valentinstag. Mit Sicherheit haben wir ihn noch nie mit so vielen Menschen zusammen gefeiert :-).
  

1 Kommentar:

  1. na da seid ihr ja mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. Ich ärgere mich heute noch, dass ich die Giganten 2009 in Berlin nicht gesehen habe. Ich hatte mir damals nur die Reportage im Fernsehen angeschaut und war begeistert. Wie muss das erst in Echt sein? Gruß Pappsler

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