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Eine kleine Brise Freiheit

Wellington Nationalpark, Australien – 28.02.-02.03.2015

Vor mehr als anderthalb Jahren zogen wir los, um frei zu sein. Von Zwängen, Termindruck und Hektik. Acht Monate lang waren wir mehr oder weniger frei umher getingelt. Ob es nun die ultimative Freiheit gewesen war, kann man anzweifeln, doch wie es dann eigentlich dazu gekommen ist, dass wir nun schon seit fast einem Jahr an ein und demselben Ort festsitzen und wie die Bekloppten arbeiten, das erschließt sich mir nicht so ganz. Wo ist sie hin, die von uns so sehr ersehnte Freiheit? Ist sie uns aus den Händen geglitten? Ein wenig schon. So richtig frei fühle ich mich in meinen 5qm direkt neben dem Highway von Montag bis Freitag arbeitend nicht so wirklich. Mal wieder sitzen wir im Hamsterrad fest und retten uns von Wochenende zu Wochenende. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Was hatten wir für Pläne. Was hatten wir für irrwitzige Ideen und Vorstellungen.

Doch dann kam dieses Wochenende. Fernab von Menschen, Einkaufszentren, Verkehr, Hektik und Trubel. Nur wir Zwei, ein Wald, ein See.

Die Anfahrt war allerdings ein wenig turbulent. Dieses idyllische Fleckchen Erde hätten wir ohne Hilfe wahrscheinlich nicht gefunden. Es befand sich tief im Wellington Nationalpark und war nur über eine kilometerlange Huckelpiste mit Steinen, Wurzeln und schiefen Hügeln zu erreichen. Für unseren Gerdi eine Herausforderung. Doch nach mehr als vier Stunden Anfahrt kamen wir an. Im Paradies? Auf jeden Fall mitten in der Natur. Schon seit einiger Zeit hatten wir keine Menschen mehr gesehen. Um uns herum gab es nur Bäume, Büsche, rote Erde und einen wunderschönen klaren See. Wir schlugen unser Lager auf und wollten es nach zwei Tagen nie mehr verlassen.
Doch was hat uns so fasziniert? Wir haben im Prinzip nichts Aufregendes erlebt. Wir haben gekocht, unser Essen genossen, lange zusammengesessen, über Gott und die Welt gequatscht, geangelt, gebadet, gelesen, Yoga gemacht. Langweilig, mag der ein oder andere denken. Doch für uns fühlte es sich an wie Balsam für die Seele. Wir kamen zur Ruhe. Wir konnten unsere Gedanken ordnen. Uns auf uns konzentrieren. Wie geht es uns? Sind wir glücklich? Was brauchen wir, um glücklich zu sein? Was möchten wir mit unserem Leben anfangen?

Viel zu schnell wurden wir aus unseren Gedanken gerissen und mussten diesen Ort der Stille verlassen. Auf ein kleines Abenteuer konnten wir dann nämlich doch nicht verzichten. Tubing. Quasi setzten wir uns in große Gummireifen und ließen uns einen Fluss hinunter treiben. Klingt jetzt erstmal auch nicht so aufregend. War es dann aber doch. Zunächst hatten wir die Warnungen unseres Lieblingsbosses etwas lächelnd abgetan. Festes Schuhwerk tragen, Helme aufsetzen, Rettungswesten tragen. Mh, na klar. Glückerlicherweise waren wir dann aber doch artig und starteten gut ausgestattet. Oh mein Gott. Das war eine unserer besseren Entscheidungen. Das ruhige Flüsschen war nämlich eher ein reisender Fluss mit teilweise meterhohen Wasserschnellen. Schon bevor es eigentlich los ging, ca. zwei Minuten nachdem ich in den Reifen stieg, hatte ich den ersten Nervenzusammenbruch. Ich klammerte mich an einen Ast und wollte nicht weiter bzw. los. Schon allein der riesen Staudamm hinter mir, flößte mir eine Heidenangst ein. Doch totesmutig traute ich mich weiter. Etwa zwei Stunden später kletterten wir zitternt – vor Angst oder vor Kälte, man weiß es nicht so richtig – wieder aus dem Wasser und waren heilfroh noch zu leben. Es hatte uns aus den Reifen gehauen, unsere Helme hatten sich an Ästen festgehangen, wir hatten uns die Beine und Arme an Steinen aufgehauen und zerkratzt, doch es war auch ein riesen Spaß gewesen. Adrenalin pur.

Gegensätzlicher hätten die drei Tage nicht sein können. So oder so, dieses Wochenende stellt einen Einschnitt dar. Es ist schwer zu erklären, doch es hat uns viel gegeben. Es hat uns ein wenig verändern. Vor allem hat es uns ein wenig rastlos gemacht. Denn wir wollen endlich los. Wir wollen Perth verlassen. Wieder auf große Reise gehen. Denn dieses Wochenende gab uns einen kleinen Vorgeschmack darauf wie unser Leben in den kommenden Monaten hoffentlich aussehen wird. Wird es die von uns so sehr ersehnte ultimative Freiheit sein? 


1 Kommentar:

  1. beim anschauen des Titelbildes kam mir mein Lieblingssong von Depeche Mode in den Sinn: Enjoy the silence - Gruß Pappsler

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