Teil 1 von Gastautorin Sandra - 17.08.–21.08.
Nach
den ersten aufregenden Tagen in Perth (für Anne und mich) und einer
wunderschönen Hochzeit am Samstag hieß es Sonntag nach entspanntem Frühstück
schnell alle Sachen in den beide Autos
unterbringen, dem süßen Häuschen „Auf Wiedersehen sagen“ und noch die letzten
Besorgungen und Erledigungen machen, bevor es los gehen konnte. Nachdem wir 5
Minuten vor Ladenschluss auch noch den Anzug zurück gebracht hatten, hieß es
tief durchatmen und schauen welchen Platz wir für heutige Nacht anpeilen. Es ging
los…
Vor uns lagen nun zu unserem fernen Ziel Exmouth ca. 1300 km. Aber
Tagesziel heute war erst mal die Stadtgrenze. Ein kostenloser Platz in der Nähe
von Guilderton, an dem man campen durfte, war gefunden und wurde direkt
angesteuert. Das Wetter gab zu unserer ersten Campingnacht den perfekten
Einstand mit Sturm, Gewitter und reichlich Regen. Der etwas düstere Platz tat
sein übriges zur Zelt-aufstell-Motivation, sodass wir kurzerhand beschlossen
auf das Zelt zu verzichten, uns alle ganz schmal zu machen und in Gerdi zu
stapeln. In den folgenden Nächten haben wir die Stapeltechnik noch etwas
perfektioniert, sodass das Zelt dauerhaft im Kofferraum blieb.
Am nächsten Morgen mit Sonnenschein hieß es erstes Campingfrühstück,
wildes Zähneputzen und dann Aufsitzen zur nächsten Teilstrecke. Ziel für den
Tag, Shark Bay, war ca. 750 km entfernt. 11 Stunden und etliche Runden Ben Harper
(es war die einzige CD, die im grünen Auto lief) späten waren wir in Denham auf
dem Campingplatz angekommen. Hinter uns lagen unfassbare Weiten (der Australier
muss da teilweise schon mal 150 km fahren um seinen Nachbarn zu besuchen),
krasse Landschaften (Sanddünen, Buschweiten, Rapsfelder, steppenähnliche
Weiten) und einige verrückte Dinge. So ist z. B. der „Schwerlasttransport“
(Roadtrain) hier 53,5 m lang. Als dann eben solcher beladen mit 9(!) Reifen
neben uns stand, guckten wir schon nicht schlecht.
Am nächsten Tag ging es auf nach Monkey Mia zum Delfine angucken. Aber
unser eigentliches Highlight gab es schon bevor wir da waren: Eine Emu-Familie
kreuzte die Straße. In Australischer Art, sehr gechillt und relaxt, spazierten
Elternteil und die kleinen Stripies direkt vor unseren Augen (und der Kamera)
über die Straße. Wir waren total sprachlos …
In Monkey Mia angekommen ging es mit dem Staunen weiter. Anne und Nicki
durften Delfine füttern, die vor uns im Wasser schwammen und ein paar Meter
weiter poste ein Pelikan extra für uns. Auf dem Weg zu unserem Nachtdomizil,
Eagle Bluff, ein Stück Natur direkt am Meer, liefen uns noch mehrere Kängurus
über den Weg, sodass der Tag der großen Tiere perfekt war.
Hier in Shark Bay lernten wir auch ganz neue Formen der
Lebensmittelversorgung kennen: den „Truckerday“. Montag und Donnerstag werden
hier in der Region die Regale der Supermärkte aufgefüllt, weil die Trucks kommen
und das muss dann bis zum nächsten Truckertag ausreichen.
Unser Plan für die weitere Reise haben wir zwischenzeitlich
aktualisiert auf langsam mit Zwischenstationen wieder Richtung Perth, statt
weiter Richtung Norden fahren. So ging es über Shell Beach, ein Strand komplett
bedeckt mit Muscheln (statt Sand) wieder Richtung Süden, nach Kalbarri. Eine
Kleinstadt mitten im Nationalpark. Am nächsten Morgen wurden wir hier vom
Wetter sehr unfreundlich begrüßt. Es war grau, regnete und war windig, also
ganz anders als sich der Australische Winter uns bisher präsentierte (24°C,
blauer Himmel, Sonne). Anders als an der Ostsee ist man hier aber nicht auf
Schlechtwetter eingestellt, sodass die Empfehlung der Frau im Visitorcenter „bis morgen warten“ war. Wir
haben uns in Regenjacken gehüllt und nach ausgiebigem Frühstück dem Wetter
getrotzt. Auf unserer 1,5 km langen Wanderroute ging es zwischen den Klippen
der Steilküste entlang. Türkise Wellen vor roten Felsen hatten uns hier voll in
ihrem Bann. Als wir plötzlich einen vorbeischwimmenden Delfin-Schwarm
entdeckten, waren wir total geflasht. Das war Natur advanced.
Teil 2 von Gastautorin Anne - 22.-25.8.
Am folgenden Morgen, als wir Kalbarri
verließen, sah das Wetter dann schon wieder ein bisschen besser aus. Sodass wir
uns zum Nationalpark begaben, an dem es ein sagenumwobenes „Natural Window“
geben sollte. Es stand gleich am Anfang einer acht Kilometer langen
Trekking-Route, die wir an diesem Tag laufen wollten. Am „Window“ angekommen,
waren wir allerdings nicht so geflasht, wie sich die Australier das wohl
erhofft hatten. Das Fenster war vielleicht zwei Meter hoch und drei breit. Wenn
man das Prebischtor kennt, kann das Fenster einpacken. Der Wanderweg aber war
sehr schön und vielseitig. Er ging immer an einem Fluss entlang und wir konnten
wilde Tiere (Kängurus, Ziegen und Kakadus) beobachten. Einmal ging der Weg über
sehr enge Klippen direkt am Wasser vorbei, sodass wir sogar ein bisschen
klettern mussten. Als uns auf dieser Route aber zwei völlig entspannte ältere
Frauen entgegen kamen, fühlten wir uns gleich nicht mehr so abenteurerhaft!
Mit wunderbarer Erschöpfung stiegen wir allesamt wieder ins Auto und
fuhren weiter Richtung Süden. Die Nacht verbrachten wir dann auf einer Art
Koppel zwischen Northam und Geralton. Als wir ankamen, war niemand zu sehen,
der uns in Empfang nahm. Ein paar Minuten später jedoch kam schon eine Frau mit
dem Auto angefahren und begrüßte uns. Sie erzählte, dass ihr Nachbar (ca. 700
Meter übers Feld) Licht gesehen und sie angerufen habe. Sie hätte noch ihr Bier
ausgetrunken und sei gekommen. An sich eine sehr quaselige Frau; die ihre
Arbeit sehr genau nahm. Den Abend verbrachten wir wie immer mit Karten, Bier
und Sternschnuppen. (Noch nie habe ich einen solchen Nachthimmel gesehen. Die
Milchstraße war ohne Mühe zu sehen und breitete sich über den gesamten Himmel
aus.)
Den nächsten Tag verbrachten wir dann etwas zivilisierter in Geralton.
Hier gab es einen kleinen Wochenmarkt und Rummel. Wir gingen ans Meer,
beobachteten richtige australische Surfer (darunter auch eine Schulklasse) und
ließen es uns mal wieder mit Caffè Latte, Kuchen und Scones gut gehen. Als wir
am frühen Abend an unserem ausgewählten Campingplatz ankamen, mussten wir
feststellen – ganz im Gegensatz zu den vergangenen Tagen –, dass dieser doch
schon sehr voll war und wir offenbar spät dran. Also ließ Schlumpf sich nicht
(sch)lumpen und wollte einen extra schönen und abgelegenen Platz finden. Immer
weiter fuhr er am Strand entlang, der natürlich immer sandiger wurde.
Irgendwann als wir auf dem Kamm eines kleinen Hügels standen und wir gerade
darüber diskutierten, ob es eine gute Idee sei, hier herunterzufahren, hatte
sich der kleine Gerdi schon festgefahren! Na toll und jetzt? Ich sprang also
aus dem Auto und versuchte Gerdi rauszuschieben, wobei er sich natürlich noch
mehr fest fuhr. In dem Moment kamen hinter uns auch noch Leute mit dem Auto,
die vorbei wollten. Ich, schon halb gestresst, weil ich dachte, dass die jetzt
drängeln oder meckern, gab ihnen zu verstehen (natürlich mit wilder Gestik),
dass wir feststecken. Aber anstatt zu nölen, stieg der Fahrer aus und kam zu
uns rüber. Mittlerweile waren auch Nicki und Sandra wieder zu uns gekommen; die
hatten nämlich klugerweise schon vorher aufgegeben, auf diesem Weg zu fahren.
So kam dieser Australier nun zu uns rüber und fragte, ob wir Hilfe bräuchten
und zückte fast im gleichen Atemzug schon ein Seil, um uns herauszuziehen. Das
klappte dann auch ganz ohne Probleme. Schlumpf fuhr also rückwärts den Weg
zurück (weil der zum Wenden ja viel zu eng war). Ich versuchte noch schnell
unsere Reifenrillen im Sand zu verwischen, damit „die Straße“ wieder halbwegs
glatt ist. Als ich dann wieder am Auto ankam, hatte sich der arme Gerdi schon
wieder festgefahren. Gerade hörte ich den Australier noch zu Nicki rufen: „Hey!
Get your mate out!, was auf Australisch natürlich kaum zu verstehen ist. Also
stieg Schlumpf aus und ließ sich noch darüber belehren, wie man Auto in solchem
Terrain fährt. Als wir uns gefühltermaßen 1000 Mal bedankten und ganz froh
waren, wieder befreit zu sein, sagte der Australier nur lapidar: „Yeah, thats
what we do!“ Über einen so lässigen Spruch beeierten wir Mädels uns fast.
Nachdem wir dann eine Stelle zum Campen gefunden hatten, erwies sich
auch dieser Ort wieder als schön und interessant. Weil Nicki und Sandra schon
müde waren, ließen Schlumpf und ich den Abend zu zweit am Meer ausklingen und
entdeckten viele neue Sternbilder. (Wer kennt nicht die berühmten Sternbilder
„Die fliegende Katze“, „Das Alpaka“ und „Die nackte Frau am Strand“, nach denen
sich schon die alten Germanen ausrichteten?)
Am Sonntag hatten wir einen letzten Ausflug geplant: Die Pinnacles.
Ziemlich verrückte Steine, die in einer Art gelben Wüste eigenartige Figuren zu
bilden scheinen. Wir durchwanderten diesen seltsamen Ort und machten schöne
Fotos. Hier trafen wir sogar auf einen kleinen Waran, der sich perfekt an das
Gebüsch angepasst, in eben diesem versteckte.
Unseren letzten gemeinsamen Tag verbrachten wir dann in Fremantle, das
gleich neben Perth liegt (nach australischer Definition). Ein kleines Örtchen,
das wir mal wieder gemütlich durchschländerten. Dabei fiel uns eine hübsche
Brauerei auf, die ebenso Gastronomie betrieb. Weil wir aber gerade erst Kaffee
und Kuchen vertilgt hatten, wollten wir eigentlich nicht schon wieder
einkehren. Nicki sah Schlumpfs und meine sehnsüchtigen Blicke jedoch und
überredete uns regelrecht „doch jetzt ein Bier zu trinken“. Und weil man
soetwas nicht ausschlagen darf (!), machten wirs uns im Biergarten gemütlich.
Als wir in die Bar eintraten, beobachtete Schlumpf wie der prototypische
Barbesitzer (redselig und lustig) Touristinnen ein Biertasting einschenkte.
(Ein riesen Tablett!) Als mein Brüderchen dann auch noch hörte, dass das für
Umme sei, kam ganz und gar der Ossi in ihm durch. Also organisierte er uns auch
so ein Tasting. Großartig! So saßen wir in der Sonne, tranken viele viele Biere
und erzählten lautstark (schließlich versteht und kennt uns hier ja niemand!).
Was ein lustiger und schöner Abschluss!
Nicht ganz so angenehm gestaltete sich die Suche nach einer
Übernachtungs-möglichkeit, denn es war schon wieder ganz schön spät geworden.
So mussten wir auf einem zu teuren und städtischen Campingplatz unsere letzte
Nacht verbringen.
Am nächsten Tag nun stand die Abreise an. Wir erzählten noch eine Weile
in der Empfangshalle und Schlumpf verpasste mir als Andenken noch einen blauen
Fleck, wie sich das für große Brüder gehört. Dann nahmen wir Abschied, aber zum
Trost wussten wir ja: Zu Weihnachten sehen wir uns schon wieder!







Als "Gast" hast Du hier ne tolle Leistung abgegeben... Wunderschöööööööne Fotos!!!!!!
AntwortenLöschenDas war mal wider ein toller Bericht, ob Gast oder nicht, und wundervolle Fotos, wie immer ! Bis bald ihr 2.
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