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The storm is coming


Son Trach, Vietnam - 14.10.-16.10.2013


Der Nachtbus brachte uns nach Dong Hoi. Es war furchtbar! Wir hatten kaum geschlafen, waren hungrig, es war 5:00 Uhr morgens und wir waren mitten im Nirgendwo gelandet. Wie sollten wir nun weiter zum Phong Nha und Ke Bang Nationalpark kommen? Die Beschreibungen im Reiseführer waren eher vage. Es gab wohl einen Bus, doch von wo und wann wusste niemand. Wir machten uns also auf und irrten durch die Stadt. Die meisten, die wir fragten, sprachen jedoch schlicht und ergreifend kein Englisch oder logen uns direkt ins Gesicht. Es gäbe angeblich keinen Bus und wir müssten ein Taxi nehmen, das ganze 16€ kosten sollte. Die Krönung kam, als ein Taxifahrer Nicki ein Handy in die Hand drückte und endlich jemand Englisch mit uns sprach. Wir dachten, oh wie nett, er hat extra jemanden organisiert, der uns versteht. Doch die Frau am Telefon teilte uns lediglich mit, dass wir doch mit dem netten Taxifahrer fahren sollten, da es keinen Lokalbus geben würde. Die Frechheit pur. Wir irrten also weiter umher. Nach ca. zwei Stunden waren wir völlig genervt und nahmen am Ende doch das beschissene Taxi. Das Beste: Nach zwei Minuten Fahrt kamen wir doch tatsächlich am Busbahnhof vorbei!
Auch die Auswahl an Hostels war hier eher bescheiden. Wir schliefen für definitiv zu viel Geld in einem Schlafsaal, den man nicht mal abschließen konnte.
Am Ende gab es aber auch noch einen Lichtblick an diesem Tag. Wir besuchten die wunderschöne Phong Nha Höhle. Über einen Fluss ging es durch eine Spalte im Felsen ins Innere des Berges und eine Märchenwelt aus Felsen, Stalakniten und Stalaktiten tat sich vor uns auf. Alles war gigantisch groß und massiv und doch zart und filigran zugleich.
Schon am Abend schlug die Stimmung allerdings wieder um. Der Taifun Nari kam auf die Küste Zentralvietnams zu und sollte am kommenden Morgen in etwa dort auftreffen, wo wir uns befanden.

Am nächsten Tag stürmte und regnete es extrem. Der Sturm deckte Dächer ab, knickte Bäume um und von Zeit zu Zeit konnten wir unsere Unterkunft nicht verlassen, weil der Wind zu stark wurde. Wir waren also im Guesthouse gefangen. Doch zum Glück gab es einen Generator, so konnten wir trotz Stromausfall Filme schauen. Außerdem veranstalteten wir ein Billardturnier, lasen und schrieben in unsere Travellerbücher. Alles in allem war es für uns ein entspannter Tag. Doch wie es am Tag darauf weitergehen sollte, war unklar. Konnten wir weiter in den Süden reisen oder waren wir weiter in Son Trach gefangen?


Schon in der Nacht regnete und stürmte es so heftig, dass wir seit 3:00 Uhr morgens wach waren und völlig klar war, dass kein Bus fahren konnte. Wir standen trotzdem um 5:00 Uhr kurz auf und checkten die Lage. Unser Zimmerboden war klitschnass, weil es reingeregnet hatte und im Erdgeschoss konnte man aufgrund der Lautstärke (vom Regen) sein eigenes Wort nicht verstehen. Also gings enttäuscht und niedergeschlagen zurück ins Bett. Doch schon eine Stunde später wurden wir von lautem Gewimmel und hektischem Treiben wieder geweckt. Alle rannten herum und waren im Aufruhr. Als wir nach unten kamen, sahen wir das ganze Ausmaß: Innerhalb einer Stunde war die gesamte Straße überschwemmt. Das Wasser stand kniehoch. Wir waren völlig geschockt. So schnell wir möglich mussten alle wichtigen Dinge, wie PC's, Schränke, Waschmaschinen, Kühlschränke und sogar Motorräder in die erste Etage gebracht werden, denn das Wasser stieg rasend schnell an. Bereits wenige Minuten später überflutete das Wasser die Lobby unseres Guesthouses. Es war der Wahnsinn. Und es stieg weiter und weiter, während draußen der Sturm wütete.
Mittlerweile war der Strom ausgefallen und alle waren in die erste Etage geflüchtet. Wir sahen, dass Pflanzen, Fahrzeuge und sogar ganze Häuser von den Wassermassen verschluckt wurden. Das Wasser erreichte inzwischen eine Höhe von fast zwei Metern. Die Menschen um uns herum versuchten ihr Hab und Gut zu retten. So wurden wichtige Dinge, wie technische Geräte oder auch Haustiere (Schweine) mit Booten in Sicherheit gebracht. Viele Hühner wurden eingefangen und sofort geschlachtet. Wir sahen auch eine meterlange Schlange im Wasser, die von den Einheimischen erschossen wurde. Es war furchtbar. Es hörte nicht auf zu regnen und wir waren eingeschlossen. Es gab nicht genügend Trinkwasser und auch das Essen würde bald ausgehen. So war der Besitzer des Hostels zum Glück bestrebt uns so schnell wie möglich loszuwerden und telefonierte den gesamten Tag umher.
Am Abend kam dann die Rettung: Mitten in der Nacht wurden wir von einem Boot, das bis in die Lobby gefahren kam, abgeholt. Wir schipperten im Dunkeln und in völliger Stille dort entlang, wo sich am Morgen noch eine Straße befunden hatte. Am Ende empfing uns ein Bus, der uns wieder zurück ins nahe gelegene Dong Hoi brachte. Wir waren alle unendlich froh und verbrachten geschlossen noch eine Nacht im Krisengebiet.

Völlig offen war allerdings, wie es weitergehen würde. Wird eine Weiterreise in den Süden möglich sein oder ist alles durch den Sturm zerstört?





2 Kommentare:

  1. Das ist ja so wahnsinns-krass!!! Meine Maus, man hat Dir angesehen und angehört, wie du mit den Tränen gekämpft hast. Die armen Menschen, die damit fertig werden müssen!!!

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  2. Hut ab vor den Leuten, die damit jedes Jahr auf´s neue zu kämpfen haben. Das ist für uns Europäer unvorstellbar !!!

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