Vietnamesisches Hochland (Buon Ma Thuot, Lak Lak), Vietnam - 25.10.-27.10.2013
Vietnam war bisher wunderschön, keine Frage, aber eben auch sehr touristisch. So langsam wollten wir mal wieder raus aus dem Trubel. Doch was konnte man tun, um den Touristenmassen zu entkommen? Ganz klar, man muss die ausgetrampelten Pfade verlassen. Aber wie? Noch in Nha Trang schlenderten wir durch die Straßen und uns fiel ein Plakat direkt auf: "Easy Rider Tour - mit dem Motorrad durch das vietnamesische Hochland". Wir, vor allem natürlich Stefan, waren sofort Feuer und Flamme. Nach einigem Hin und Her, das Ganze erwies sich nämlich als ziemlich teuer, engagierten wir einen Guide und planten gemeinsam unsere Tour. Grob umrissen ergab sich folgender Plan:- Dauer: 3 Tage
- Route: südliches vietnamesisches Hochland
- Endziel: Da Lat
- Übernachtungen: Buon Ma Thot, Lak Lak
- Ausrüstung: zwei Motorräder (Stefan und Nicki auf einem und unser Guide Mr. Vu und das gesamte Gepäck auf dem anderen)
Der erste Tag begann früh um 9:00 Uhr. Tagesziel war Buon Ma Thuot. Noch etwas zögerlich gings los. Neues Motorrad, volle Straßen und keine erkennbaren Verkehrsregeln. Nach gut fünf Minuten Fahrt blieb unser Motorrad auch noch stehen. Sprit alle. Super Start :-). Also schnell aufgetankt und nächster Versuch. Nach nur wenigen Kilometern ließen wir die Stadt hinter uns und befanden uns auf einer leeren Straße in den Bergen. Toll! Genau so hatten wir uns das vorgestellt. Vor uns lagen heute ca. 8 Stunden Fahrt mit zahlreichen Zwischenstopps. Wir hielten z. B. an einem Fischmarkt und mischten uns unter die Einheimischen. Der Gestank war unglaublich. Alle waren super beschäftigt - es wurde aus- und eingeladen, Fisch umher gekarrt und eifrig gehandelt. Wir standen natürlich überall im Weg :-), wurden umhergeschubst und skeptisch angestarrt. Sehr lustig. Nur wenige Kilometer weiter hielten wir mitten in einem Zuckerrohrfeld und kauten zum ersten Mal in unserem Leben auf den hölzernen Stangen herum. Schmeckt tatsächlich süß. Zuckerrohr ist übrigens die Süßigkeit Nr. 1 für die Einheimischen. Können wir jetzt gut nachvollziehen, doch auf Milka und Co. wollen wir langfristig gesehen dann doch nicht verzichten.
Wir hielten außerdem noch an einer Pilzzucht, einer Holzschnitzerei und einer Gummibaumplantage. Überall kam man mit den Einheimischen ins Gespräch und wir lernten unglaublich viel über deren Lebensweise. Auf einer Kakaoplantage stibitzte der liebe Mr. Vu noch eine Frucht für uns, die wir später heimlich probierten. Doch auch das dient definitiv unbehandelt nicht als Schokoladenersatz :-). Nach diesem ereignisreichen Tag brauchten wir abends erstmal eine Dusche und vor allem etwas zu Essen. Mr. Vu nahm uns in ein tolles einheimisches Restaurant mit und so landeten wir mal wieder auf den typischen Miniplastikstühlen im Neonlicht. Das Essen war super lecker: Es gab in Honig eingelegtes Rindfleisch, dass wir selber auf einem kleinen Tischgrill grillten und Schweinefleisch mit Gemüse und einer unendlich leckeren Sahnesoße. Toller Abschluss! Völlig kaputt und glücklich fielen wir in die Betten.
Am nächsten Tag gings wieder pünktlich um 9:00 Uhr los. Es erwartet uns wieder ein voller Tag. Nach einem kurzem Stopp auf einer Currypflanzenplantage, wo wir uns lustige Kriegsbemalung zulegten, fuhren wir zu einem wunderschönen, beeindruckenden Wasserfall. Es war der Wahnsinn. Das Wasser war klar und strahlend blau und endlich auch mal wieder kalt. Also nichts wie rein in die Fluten und abgekühlt. Traumhaft. Man konnte sich sogar im Wasserfall "duschen" und bekam noch eine kostenlose Massage :-). Danach haben wir uns auf den Steinen gesonnt und das tolle Wetter genossen. Es war auch eine kleine, lustige Gruppe Vietnamesen anwesend, mit denen wir ein bissl geplaudert haben. Alle waren unheimlich nett und luden uns sogar zum Essen ein. Aber für uns musste es so langsam weiter gehen, denn es gab ja noch viel zu sehen.
Es ging vorbei an zahlreichen Reisfeldern, auf denen hunderte Arbeiter und Arbeiterinnen in der prallen Sonne den Reis ernteten, an Kühen, Bergen und Seen und natürlich an vielen kleinen Dörfchen, wo überall Reis und Kaffee am Straßenrand getrocknet wurde. Zum Mittagessen haben wir endlich auch mal das Nationalgericht Phõ probiert - eine würzige Nudelsuppe mit Rindfleisch. Zum Nachtisch gab's Pancake mit Bananen vom Straßenrand :-). Danach fuhren wir weiter, vorbei an unendlich vielen Feldern mit Mais, Reis und Zuckerrohr und hielten an einer kleinen Kaffeeplantage. Die beiden netten Besitzer ernteten gerade Kaffee und freuten sich riesig über unser Interesse. Wir plauderten ein wenig und waren am Ende etwas erschrocken als sich herausstellte, dass das Pärchen erst Anfang fünfzig war. Beide waren durch die jahrelange Arbeit so gezeichnet, dass wir sie für Anfang achtzig gehalten hatten.
Zum Anschluss bestiegen wir noch den Elefantenfelsen, einen unglaublich eigenartigen Felsen, der ziemlich künstlich aussah, von dem man aber einen tollen Ausblick hatte. Es war ein toller Tag! Vor allem an die vielen vollgepackten Roller, die wir unterwegs gesehen haben, werden wir uns noch ewig erinnern: Einer war zum Beispiel meterhoch mit Kisten beladen, sodass es uns wie ein Wunder vorkam, dass der nicht umkippte; auf einem anderen wurde ein Fahrrad transportiert; aber der kurioseste war mit ca. 40 lebenden Hühnern beladen, die einfach an den Beinen festgebunden an der Seite herunterbaumelten. Wahnsinn. Auch der Abend war toll: Wir verbrachten ihn mit einer anderen Motorradgruppe. Es gab tolles Essen, Tanz- und Gesangseinlagen von den Guides :-) und der Reisschnapps floss in rauen Mengen. Übernachtet haben wir bei Einheimischen in einem traditionellen Longhouse - ein längliches Haus auf Stelzen - in Lake Lok. Eine sehr lustige Erfahrung, denn direkt unter uns schliefen die Tiere der Familie - Schweine, Hühner und Hunde - und wir konnten sie durch die Schlitze im Boden sehen und hören.
Schließlich landeten wir in einer Reisschnappsbrennerei, wo wir alles über die Herstellung lernten und natürlich auch ausgiebig probieren mussten bzw. durften. Vorbei an zahlreichen Kaffee- und Teeplantagen fuhren wir dann noch zu einer Seidenfabrik. Super interessant, aber auch traurig. Merke: Nie wieder Seide kaufen! Zum Abschluss des Tages probierten wir auch noch den hoch gelobten Wieselkaffee. Ja, den Kaffee, der von Wieseln gefressen und dann wieder ausgeschissen wird. Nun ja. Ohne Worte.
Wenige Kilometer später erreichten wir unser Endziel Dalat. Was soll man sagen? Es war der Wahnsinn! Das südliche Hochland ist eine faszinierende Landschaft voller Berge, Seen, Wälder und Wasserfällen, in der viele ethnische Minderheiten ihre althergebrachten, kulturellen Besonderheiten pflegen. Die Menschen waren unendlich nett und neugierig. Wir wurden überall freundlich aufgenommen und angesprochen. Außerdem haben wir unendlich viel gesehen, erlebt und haben in diesen drei Tagen mehr über Vietnam, seine Kultur und Geschichte gelernt, als in den gesamten drei Wochen zuvor. Es war eine tolle Erfahrung und die Tour gehört definitiv zu den Highlights unserer gesamten Reise, auch dank unseres tollen Guides Mr. Vu. Tausend Dank!

Wow, das klingt und sieht ja mal wieder fantastisch aus. Wunderschöne Bilder.
AntwortenLöschenAber ich sehe, dass ich euch mit meiner Gesichtskrankheit angesteckt habe. ;o)
Und wie hat der Wiesel-Kack-Kaffee geschmeckt?
Liebe Grüße,
Annuschki
Also der Kaffee war geschmacklich sehr intensiv. Aber auf jeden Fall mal ne gute Erfahrung.
LöschenAm besten kommste mal rüber und probierst ihn selber. :-)
Also Eure Bildersammlung entwickelt sich langsam als richtiger Schatz... Denkt dran - Schleichwerbung (von wegen Milka und co) ist verboten!!! Unter einem Wasserfall muss ich unbedingt auch mal stehen...
AntwortenLöschenkein Wunder, dass es zu DDR-Zeiten nur alte Autos gab, wenn jetzt noch die W50 in Vietnam rumfahren ;-) Gruß Pappsler
AntwortenLöschenIch wusste doch, das der dir gefällt. Den hab ich nämlich extra nur für dich fotografiert.
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