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Eine Lektion in Sachen Geschichte




Xam Neua, Laos - 26.09.-28.09.2013



Mit vielen Fragezeichen im Kopf ging es weiter in die Provinz Houaphan, deren touristische Infrastruktur vergleichsweise dünn ist. In gesamten zwei Tagen, die wir hier verbracht haben, haben wir außer uns dreien (wir reisten mit der Singapurerin J.J.) keine weiteren Touristen. Von der Provinzhauptstadt Xam Neua aus wollten wir das geschichtsträchtige Vieng Xai erkunden.
Xam Neua selbst ist wenig erwähnenswert - eine ziemlich heruntergekommene Stadt mit vielen Baustellen. Diesmal waren wir auch noch im schlimmsten Guesthouse ever and ever, dafür aber auch im günstigsten (15000 Kip/Person/Nacht = 1,50 €). Außerdem war es ziemlich hellhörig, sodass wir alles hören konnten, was in den Nebenzimmern geschah. Wirklich ALLES! Darum sind wir uns im Nachhinein ziemlich sicher, dass es sich um ein Stundenhotel handelte.
Eigentliches Highlight war, wie bereits erwähnt, unser Tagesausflug zu den Höhlenkomplexen in Vieng Xai. Mehr als 200 der hier vorhandenen 480 Höhlen wurden während des Vietnamkrieges von der Bevölkerung und den Pathet-Lao-Führern (laotische Kommunisten) als natürliche Felsenbunker genutzt. Aber was genau hatte Laos nochmal mit dem Vietnamkrieg zu tun?

Ein kleiner geschichtlicher Exkurs:
Nach langer französischer Besetzung, zahlreichen Befreiungsbewegungen und blutigen Kämpfen musste sich Frankreich 1954 geschlagen geben und erkannte Laos als eigenständigen Staat an. Doch schon ein Jahrzehnt später wurde das neutrale Land in einen Krieg gezogen, der nicht seiner war. Die lange Grenze zu Vietnam wurde für Laos zur Tragödie. Im Vietnamkrieg baute das kommunistische Nordvietnam auf laotischem Gebiet ein riesiges Wegnetz - den Ho-Chi-Minh-Pfad - um die Vietcong im Süden mit Soldaten, Waffen und Nahrung zu versorgen. Die USA bombardierten diese Region mit gigantischem Einsatz. In den elf Jahren von 1964 bis 1975 fielen zwei Millionen Tonnen Bomben. Damit wird die Volksrepublik zum meist bombardiersten Land der Welt. 200.000 Tote und ein Trauma sind das Ergebnis eines Krieges, den die USA erst 1970 überhaupt zugegeben hat zu führen. Von all diesen Bomben waren ca. 30% Blindgänger, welche seitdem überall im Land verteilt auf und unter der Erde liegen. Das heißt, in Laos befinden sich noch heute 75 Millionen scharfe Bomben, die bei der kleinsten Berührung explodieren könnten. Das wirkt sich bis heute noch auf die Bevölkerung und deren Lebensumstände aus und trägt möglicherweise zur Armut des Landes bei. Neben dem Ho-Chi-Minh-Pfad war auch die Provinz Houaphan, das Kernland der Patetlao, hart umkämpft und stark bombardiert, denn die USA, die alles andere als glücklich über den erreichten Status Laos war, weigerte sich die Unabhängigkeit des Landes anzuerkennen. Für sie war neben Vietnam auch Laos ein wackeliger Stein in der kommunistischen Dominokette, die Südostasien zu überrollen drohte, sollen die Patetlao hier siegen. Deshalb bauten sie in den Kriegsjahren ihre finanzielle und militärische Unterstützung für die antikommunistischen Kräfte aus. So bildete z. B. die CIA im geheimen die Hmong, eine Volksgruppe in Laos, aus und bezahlte und versorgte sie mit Waffen. So kämpften die Hmong auf der Seite der Amerikaner sowohl gegen die kommunistische Bewegung in Laos, die Patetlao, als auch gegen die nordvietnamesischen Truppen. Nach dem Krieg wurden sie von den Amerikanern fallen gelassen und von der kommunistischen Regierung als Verräter verfolgt und unterdrückt. Bis heute leben sie zurückgezogen im Dschungel und in den Bergen.

All das und viel mehr erfuhren wir von unserem tollen Guide bei der Erkundung der Höhlenkomplexe in Vieng Xai. Die Geschichte Laos und der Provinz Houaphan ist noch viel komplexer und umfangreicher, aber es war toll einen kleinen Einblick zu bekommen. Wir haben gesehen wie die Bevölkerung und die kommunistische Führungsriege während der neun Jahre Dauerbombardements der USA gelebt haben. Seit Kriegsbeginn im Jahr 1964 erweiterten die Menschen die Höhlen durch Sprengungen und bauten sie innerhalb eines Jahres aus. Die Höhlen der obersten Funktionäre erhielten sogar Betonböden und Zwischenwände. Es entschanden Schlaf- und Aufenthaltsräume für Familien sowie Büros und Sitzungsräume. Als Schutz gegen die von Explosionen vor den Höhlen verursachten Druckwellen wurden vor den Eingängen meterdicke Mauern gebaut. Für den Fall von Giftgasattacken standen sogar besondere Schutzräume bereit, kleine Bunker mit Sauerstoffpumpen. Durch immer mehr Kriegsflüchtlinge wuchs die Zahl der Bewohner über die Jahre hinweg auf über mehr als 20.000 an. So entstand eine regelrechte Höhlenstadt mit einer umfangreichen Infrastruktur. 
Am Ende des Tages waren wir völlig fertig, aber unser Umweg über Vieng Xai hat sich definitiv gelohnt. Wir haben unglaublich viel über Laos gelernt und viele der Fragezeichen in unserem Kopf sind verschwunden.


Herausforderungen im Alltag eines Backpackers:



  • Sind das Sexgeräusche oder wird da jemand abgeschlachtet?
  • Wird man in dem Bad tatsächlich sauberer oder noch dreckiger?

1 Kommentar:

  1. so viele schöne Fotos, aber die Mietze erinnert mich an jemandem ;-)))

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