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Vom Leben überfordert


Ko Tao, Thailand – 11.02.-17.02.2014

Das Schweigen war gebrochen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Der Gesprächsmarathon konnte beginnen. Für mehr als 16 Stunden hielten wir nicht mehr die Klappe. Es sprudelte nur so aus uns heraus. Auch das – eine wahnsinns Erfahrung. Die letzten Tage wurden bis ins kleinste Detail rekonstruiert und nacherzählt. Endlich erfuhren wir wie es dem jeweils anderen ergangen war, wie er gefühlt und was er gedacht hat.
Gleichzeitig ging alles ganz schnell. Wir waren in Aufbruchsstimmung. Das Leben erwartete uns. Europhorisch machten wir uns auf die Reise nach Ko Tao. Wir hatten so viele Pläne. Wir wollten die wunderschöne Insel erkunden und unsere Tauschscheine machen. Doch es sollte ganz anders kommen...
 
Nach einem Tag voller Gespräche betraten wir abends die Nachtfähre nach Ko Tao. Schlumpf fiel in einen tiefen Schlaf, doch ich lag die gesamte Nacht wach und tat kein Auge zu. Die Ankunft war grauenhaft. Die Überforderung begann.
Mehrere Schlepper stürzten auf uns zu und schrien uns an. So viele Menschen, so viele Geräusche, so viel Gewusel. Mir war schlecht und kalt. Ich zitterte und bekam Herzrasen. Weg hier. Sofort. Beim Gedanken mich auf einen Roller zu setzen, wurde mir noch schlechter. Doch eine andere Wahl hatten wir nicht. Wollten wir weg aus dem Trubel, mussten wir fahren. Also setzte ich mich hinter Schlumpi, klammerte mich fest und kniff die Augen fest zusammen. Die Fahrt war der Alptraum. Alles war zu schnell und zu laut. Ich bekam regelrecht Panikattaken. Nach gefühlten Stunden war ich undendlich froh als mich Schlumpi in einer kleinen Hütte weit weg vom Trubel hoch oben auf einem Berg mit wahnsinns Aussicht absetzte. Endlich. Ruhe.
Und dann der nächste Schock. Ich sah mich zum ersten Mal seit fast zwei Wochen wieder im Spiegel. Es war unfassbar. Ich war entsetzt. Ungelogen – ich sah um die 10 Jahre älter aus. Ich hatte tiefe Falten um die Augen und den Mund, extreme Augenringe und mein gesamtes Gesicht war rötlich gefärbt und von einem seltsamen Ausschlag überzogen. Schock. Was war passiert? Ich hatte schon im Retreat gemerkt, dass meine Haut trocken war und spannte, doch damit hatte ich nicht gerechnet. Creme musste her- Cortisoncreme. Von da an war meine Haut ein Alptraum, der ca. zwei Monate andauerte. Erst in Australien wurde der Ausschlag so unangenehm, dass ich endlich einen Arzt aufsuchte und er mir helfen konnte.
Doch nur einen Tag später wurde das Ganze noch besser: Ausschlag am ganzen Körper. Was zur Hölle war denn hier los?
Mir gings furchtbar. Ich verlies für 3 Tage unsere Hütte nicht. Ich bekam Fieber und Schüttelfrost, hatte wahnsinnige Kopfschmerzen. Schon die kleineste Anstrengung machte mich völlig fertig und ich schlief stundenlang. Ein Spaziergang ins Dorf? Unmöglich! Schlumpi versorgte mich tapfer mit allem Nötigen, auch wenn es ihm selbst nicht viel besser ging. Auch ihn überforderten Menschen und laute Geräusche.
Dann der nächste dumme Fehler. Es ging mir endlich etwas besser und so schleppten wir uns ins kleine Dörfchen und stopften uns mit allem voll, was wir so lange vermisst hatten: Lasange, Canneloni, Burger, Tiramisu. Wie dumm muss man eigentlich sein? Bereits 5 Minuten später ging es mir wieder unendlich schlecht. Ich fühlte mich wie auf Drogen, schwankte hin und her und erbrach in Rekordzeit das gesamte Essen wieder. Was war das? Zuckerschock? Vermutlich. Nach fast zwei Wochen ohne jeglichen Zucker haben wir Dummbatze uns natürlich gleich die Dröhnung gegeben. Besonders klug...
Also wieder zurück in meine Hütte. Das geht mir alles gehörig aufs Schwein!
Als unser Guru aus dem Retreat meinte, wir sollten vorsichtig sein und dass einige sofort im Anschluss ins nächste Retreat gehen, haben wir noch gelacht. Und jetzt? Wünschten wir tatsächlich wieder dort zu sein. 

Fazit: Nach 6 Tagen auf Ko Tao hatten wir nichts gesehen. Kein Tauchkurs, keine Erkundungsfahrt, kein Strandbesuch. Wir wurden nach fast 2 Wochen Abschottung ins Leben geworfen und waren völlig überfordert. Eine Erfahrung, die uns umgehauen hat. Unser Entschluss: Weg! Wir wollen raus aus Thailand und was Neues sehen. Also wurden Flüge gebucht und es ging ein letztes mal nach Bangkok.


P.s. Man sieht, es hat uns so gut gefallen, dass wir ganze fünf Bilder gemacht haben...

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