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Großstadtgewimmel und Kriegsgeschichte



Ho-Chi-Minh-City, Vietnam – 05.11.-09.11.2013
Das Beste gleich vornweg: Ich hab tatsächlich nach wochenlanger vergeblicher Suche, bei der ich mich immer wieder in zu enge Hosen quetschen musste, endlich eine Shorts gefunden!!! Alle männlichen Geschöpfe können ruhig die Köpfe schütteln, doch alle weiblichen Leserinnen werden mein Hochgefühl sicher verstehen. Was sollte jetzt noch schief gehen? Das Leben ist schön!
Nachdem das Wichtigste geklärt wäre, kann ich dann ja zur Stadt an sich kommen. Wir waren also mal wieder in einer Großstadt gelandet – Uncle-Ho-City. Ho-Chi-Minh-Stadt ist definitiv komplett anders als Hanoi und fühlt sich 10mal größer an. Wir versuchten uns am ersten Tag erstmal zu orientieren und erkundeten unser Viertel. Es gab eine Bar an der nächsten, tausend Geschäfte und unzählige Guesthäuser. Ach ja, bevor ich es vergesse: Wir fanden den bisher günstigsten Raum (7,00$ pro Nacht). Man konnte sich im Bad zwar kaum drehen und es gab nichts außer einem Bett, aber für vietnamesische Verhältnisse hatten wir da ein echtes Schnäppchen gemacht.

Die nächsten Tage waren wir dann voll auf dem Sightseeing-Trip und sahen allerhand skurile Dinge. Wir besuchten die Oper, eine Kathedrale, den Wiedervereinigungspalast und schlenderten die wohl teuerste Straße Vietnams entlang.
Einen gesamten Tag verbrachten wir auch in China-Town. Was für ein Erlebnis. Es war mega-heiß (35°C) und wir bewegten uns nur von Schatten zu Schatten. Trotzdem schafften wir immerhin drei Pagoden und den berühmten Binh Tay Market, der der Wahnsinn war. Es wimmelte vor Menschen, war laut, eng und stickig. Hunderte Mini-Stände reihten sich aneinander und die Verkäuferinnen schleppten Waren von A nach B. Grandios.
Da wir einmal dabei waren gings auch gleich zum nächsten Markt, dem Ben Thanh Market. Souvenirjagt war angesagt. Es wurde ordentlich gehandelt und ich denke, wir  haben uns ganz gut geschlagen. Auf jeden Fall war das Portemonnaie leer und die Taschen voll. Das konnten wir auf keinen Fall mit uns herumschleppen und so war der nächste Stopp klar: Postamt. Seit dem 8.11. ist nun ein Päckchen nach Deutschland unterwegs. Geplante Ankunft: Ende Januar. Genau drei Monate Zustellungszeit, denn die billigste Variante war die Verschiffung über See (6€ pro Kilo). Wir sind gespannt :-).
In Ho-Chi-Minh-City haben wir außerdem die bisher eigenartigste Tour mitgemacht (Aber wie wir gelernt haben: Schlimmer geht immer! Dazu im nächsten Post mehr). Es ging zu den Tunneln von Cu Chi. Das über 220 km lange Tunnelsystem hat während der Kriege gegen die Franzosen und Amerikaner unzähligen Kämpfern mitsamt ihren Familien viele Jahre Unterschlupf gewährt. Hier konnten die Widerstandskämpfer direkt vor den Toren der südvietnamesischen Truppen nach Guerillataktik Anschläge und Sabotageakte durführen und immer wieder untertauchen, weil das Labyrinth an Gängen nur ihnen bekannt war. Eigentlich also eine sehr interessante Sache. Doch die Art und Weise der Präsentation war extrem eigenartig. Bereits auf dem Hinweg sahen wir einen Film, der vor Propaganda nur so triefte und die Amerikaner nieder machte. Den gesamten Tag musste sich unsere Gruppe – ja, auch zwei Amerikaner waren darunter – anhören, wie dumm und unfähig die USA sei. Nicht dass wir uns auf die Seite der Vereinigten Staaten schlagen wollen, doch Krieg bleibt Krieg und auch die Vietnamesen haben abscheuliche Taten begangen und das ist nichts, worauf man unserer Meinung nach stolz sein sollte. Auf die verherrlichende Präsentation der Folterinstrumente hätten wir dann auch verzichten können. Außerdem war das Gelände voll von Menschen und wir wurden im Eiltempo durch die Anlage geschleust. Wer wollte, durfte sich auch durch die Tunnel quetschen, die allerdings für die westlichen Touristen extra vergrößert werden mussten.
Den Gipfel der Geschmackslosigkeit erreichten wir dann am Schießstand. Ja, hier konnte man tatsächlich für einen Dollar pro Schuss eine AK47 oder ein anderes Maschinengewehr aus Kriegszeiten ausprobieren. Manche verschossen hier in nur wenigen hundertstel Sekunden unser gesamtes Tagesbudget. Ohne Worte. Leider wurde es auch im Kriegsrelikte-Museum, das wir anschließend besuchten, nicht besser. Das Museum wurde kurz nach Kriegsende 1975 eröffnet und zeigt auf drastischen Photographien die Grausamkeiten und Brutalitäten der Amerikaner: Folter- und Napalm-Opfer, von Agent Orange deformierte Babys, zerstückelte Leichen. Wir fanden die einseitige Darstellung ein wenig schade. Hinweise auf Gewalttaten der Vietcong und der Nordvietnamesen wurden komplett ausgespart.

So war unser Aufenthalt in Uncle-Ho-City etwas zwiegespalten, doch rückwirkend muss man sagen, Ho-Chi-Minh-City war großartig. Und warum? Richtig, ich habe ja meine neuen Shorts gefunden :). Außerdem muss ich zum Schluss noch ergänzen, dass wir jeden Abend in einer typischen vietnamesischen Bar ausklingen lassen haben – mit Neonlicht, winzigen Plastikstühlchen und alkoholischen Getränken für einen Spotpreis (ein Bier 0,50€, ein Riesen-Cocktail für 1,60€). Also alles prima :-).
  

1 Kommentar:

  1. Glückwunsch zur neuen Short, die alte hat wohl jemand heimlich nachts enger genäht? Freue mich immer sehr, dass Stefan sein Lieblingsmotiv so oft fotografiert, da hab ich immer viel zu sehen von meiner Maus :-)

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