
Perth, Australien - 27.03.-17.05.2014
Das unser "kurzer" Ausflug nach Myanmar finanziell gesehen riskant war, war uns klar. Am Ende des Geldes gab es aber einfach noch so viele Pläne. Wir konnten nicht anders. Das bisher noch unberührte Myanmar mussten wir einfach noch sehen.
So landeten wir allerdings mit gerade einmal 700 Euro in der Tasche in Australien. Für die Verhältnisse hier quasi nichts. Das Herz rutschte uns schon ganz schön in die Hose als wir in der ersten Woche bereist 400 Euro für Unterkunft und Lebensmittel bezahlten. Die letzte Absteige kostete uns tatsächlich ganze 40 Euro am Tag. Was für ein Schock. Das haben wir in Asien nicht mal an einem Tag für uns beide ausgegeben. Wir sahen uns schon unter der nächsten Brücke hausen. Nicht einmal Rückflüge nach Deutschland hätten wir bezahlen können.
Es stand fest: Arbeit musste her. Und zwar schnell!
Bereits ab dem zweiten Tag in Down Under schrieben wir fleißig Lebensläufe und Anzeigen, durchforsteten das Internet, führten zahlreiche Telefonate und absolvierten einige Vorstellungsgespräche. Was für eine Zeit. Wir wurden quasi ins kalte Wasser geschmissen. Sich mit Backpackern auf aller Welt auf Englisch zu verständigen ist nämlich doch noch was anderes als mit Muttersprachlern - und dann auch noch mit Australiern und ihrem crazy Akzent - per Telefon zu kommunizieren. Nicht allzu selten legten wir auf und hatten kein Wort verstanden :-). Also weiter suchen... Dazu kam die Lärmbeschallung Tag und Nacht. Denn nein, wir konnten uns kein Einzelzimmer mehr leisten und so teilten wir unseren Raum mit ständig wechselnden Partyleuten. Nachts konnten wir dann allerdings nicht etwa nur wegen des Lärmes nicht schlafen, sondern vor allem aufgrund der extremen Bässe von den drei Diskos nebenan. Die Wände vibrierten extrem und es haute uns fast aus den Doppelstockbetten.
Nach wenigen Tagen dann der Durchbruch. Sam meldete sich auf meine Anzeige im Internet und bot mir einen Job als Nanny an. Problem: Stefan. Wo sollten wir ihn denn unterbringen, wenn ich mit der Familie wohne? Doch wir hatten riesen Glück. Sie mochten uns beide so sehr, dass wir eine tolle Abmachung trafen: Ich sollte mich für die nächsten 4 bis 6 Wochen um die Kinder und den Haushalt kümmern und dafür würden wir beide kostenfrei in einem kleinen, seperatem Gästezimmer im Gartenhäuschen mit eigenem Bad wohnen und Essen erhalten. Gebongt!
Sofort am nächsten Tag zogen wir ein und es ging gleich in die Vollen, denn bereits einen Tag später wurde der Neuankömmling geboren und die Familie war damit komplett. Ich stelle vor:
- Tim: Familienpappa; stammt aus Australien; arbeitet als Soldat
- Sam: Mami durch und durch; gebürtige Laotin (was für ein Zufall - mein Lieblingsland der Reise); Hausfrau
- Conla: ältester Sohn; 13 Jahre; nimmt alle Sportarten mit, die er kriegen kann
- Isabel: 3 Jahre; die Prinzessin im Haus; Mädchen durch und durch
- Taigi: 1 Jahr; eroberte unser Herz im Sturm; die reinste Kinderlache, die wir je gehört haben
- Mathilda: Neugeborenes; erhielt ihren Namen erst 4 Wochen nach der Geburt; das süßeste Baby ever and ever
Ihr seht, das Haus war voll und damit gab es auch eine Menge zu tun. Dadurch fiel auch mein Geburtstag ins Wasser und ich lag vor Erschöpfung bereits 21.00 Uhr im Bett. Ich war völlig fertig. Hätte ich in den ersten Tagen nicht Stefan an meiner Seite gehabt, wäre ich wahrscheinlich im Stehen eingeschlafen.
Die Tage waren lang und anstrengend, doch mit der Zeit lebten wir uns ein und fanden uns in der täglichen Routine der Familie zurecht. Im Großen und Ganzen sahen meine Tage mit den Kiddis wie folgt aus: 7:00 Uhr aufstehen und frühstücken; anschließend gings in einen nahe gelegenen Park oder auf einen der tollen Spielplätze, zur Märchenstunde in der Bibo oder einer Spielgruppe; gegen 12:00 Uhr gabs nen Mittagssnack und danach das volle Programm: zeichnen, malen, Bücher lesen, spielen und toben; gegen 18:00 Uhr dann der tägliche Alptraum: Abendessen - irgendwie versuchte ich das Essen in Isabel zu bekommen; und dann wars fast geschafft: baden und ab ins Bett. Ich selbst war so kaputt, dass ich nur 10 Minuten später selber auch im Bett lag.


Auch Schlumpi hatte in der Zwischenzeit einen Job an Land gezogen. Er arbeitete bzw. arbeitet immer noch (laaange Geschichte über einen extrem schwierigen und unentschlossenen Kunden) als Architekt für einen Mann, der eigentlich anfangs einfach nur sein Haus etwas vergrößern wollte. Mittlerweile steht allerdings ein komplett neues Haus mit Loftcharakter zur Diskussion. Wir werden sehen wie die Geschichte noch weiter geht...
Am schönsten in diesen Wochen war die Zeit zu Zweit. Wir haben Perth mit dem Fahrrad erkundet, sind im Ozean geschwommen, haben in Parks Nickerchen gehalten und uns in süßen kleinen Cafés bei Kaffee und Kuchen entspannt.
Doch auch die Unternehmungen mit der Familie waren toll. Es gab riesige Barbecues im Garten mit Freunden und der Familie, einige tolle Geburtstage, Einladungen zum Hummeressen, ins Kino und Cafés, Ausflüge zum Strand und Wandern im Nationalpark.
Ihr seht, wir hatten eine tolle Zeit. Doch so langsam bekamen wir Hummeln im Arsch. Wir wollten endlich unser eigenes Ding machen und Geld verdienen. Nach einer gefühlten Ewigkeit dann endlich das Angebot. Stefan durfte in einer Tiefurtterfabrik anfangen und schaffte es nach nur zwei Wochen auch noch mich dort unter zu bringen.
Was das für unsere Zukunft hier bedeutet und was sich alles für uns geändert hat, beim nächsten Mal.





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